Auktionshaus Gutowski
83. Auktion am 30. November 2026

Eines der Top-Stücke der Auktion

Vulkan Actien-Gesellschaft für Hüttenbetrieb und Bergbau
Vulkan Actien-Gesellschaft für Hüttenbetrieb und Bergbau
Aktie Nr. 1790 über 500 Taler
Duisburg, 18. Juli 1858
Gründungsemission. Auflage 4.000 (R 10)
Schätzpreis: 25.000,- Euro
Startpreis 5.000,- Euro

Die Vulkan Actien-Gesellschaft für Hüttenbetrieb und Bergbau in Duisburg gehört zu jenen frühen Montanunternehmen des Ruhrgebiets, die den Übergang von der gewerkschaftlich organisierten Hochofenanlage zur kapitalstarken Aktiengesellschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts beispielhaft verkörpern. Ihren Ursprung nahm die Gesellschaft in der 1854 errichteten „Gewerkschaft Hochofengesellschaft Vulkan“, einer in der damals üblichen Rechtsform des bergrechtlichen Gewerkschaftswesens organisierten Hütte, die auf die Ausnutzung der im Raum Duisburg günstig gelegenen Verkehrswege und der Kohlen- und Erzvorräte zielte. Die Umgründung in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1856 markiert den ersten entscheidenden Einschnitt in der Unternehmensgeschichte: Mit der Überführung des gewerkschaftlichen Besitzes in das Anlagevermögen einer neu konstituierten Vulkan Actien-Gesellschaft wurde der Schritt von der eher personalistisch strukturierten Gewerkschaft zur kapitalmarktorientierten Unternehmung vollzogen, deren Aktien sich nun in den Händen eines breiteren Publikums befanden. Nach 1859 kam es gleich zweimal zu einer vollständigen Stilllegung des Hüttenbetriebes, die jeweils in einem Konkursverfahren mündete und die fragile Kapitalbasis ebenso offenlegte wie die hohe Konjunkturabhängigkeit eines reinen Hochofenwerks ohne weitgehend integrierte Weiterverarbeitung. Gleichwohl blieb der Standort selbst, mit seiner Kombination aus Hochöfen, Gießerei, Kupolofen und Kokerei, montanwirtschaftlich attraktiv; die Anlage war von Beginn an als spezialisierte Eisenhütte konzipiert, die Roheisen und Gussprodukte für die wachsende regional-industrielle Nachfrage liefern konnte. Erst die Neugründung des Unternehmens im Jahr 1879, erneut unter der Bezeichnung AG Vulkan, verlieh dem Werk eine dauerhaft tragfähige organisatorische und finanzielle Basis, indem das Kapital neu geordnet und der Betrieb an die inzwischen weiterentwickelten technischen und marktseitigen Rahmenbedingungen angepasst wurde. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sah sich die Vulkan AG einem sich rasch verdichtenden Netz vertikal und horizontal verflochtener Montankonzerne gegenüber, das sowohl im Steinkohlenbergbau wie in der Roheisen- und Stahlproduktion zu zunehmender Konzentration führte. Vor diesem Hintergrund erscheint die Fusion der Vulkan AG mit dem 1872 von dem Essener Industriellen Friedrich Grillo gegründeten Schalker Gruben- und Hütten-Verein im Jahr 1897 als Ausdruck jener Epoche großindustrieller Zusammenschlüsse, in der kleinere und mittlere Hüttenbetriebe in größere Verbundunternehmen integriert wurden. Mit dem Zusammenschluss wurde der Duisburger Hochfeld-Standort in einen leistungsfähigen Verbund aus Zechen, Kokereien und Hüttenwerken eingebettet, der die Rohstoffversorgung, die Koksbasis und die Absatzkanäle auf eine breitere Grundlage stellte und zugleich die unternehmerische Selbständigkeit der Vulkan-Gesellschaft beendete. Die weitere Geschichte der Hütte Vulkan spiegelt die anhaltende Tendenz zur Großkonzernbildung im deutschen Montansektor zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seit 1907 firmierte der Betrieb als Eisenhütte Vulkan in Duisburg-Hochfeld nunmehr als Betriebsabteilung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, eines der großen integrierten Bergbau- und Hüttenkonglomerate des Ruhrgebiets. Mit der Gründung der Vereinigte Stahlwerke AG im Jahr 1926, die zahlreiche zuvor selbständige Montanunternehmen zu einem der größten Stahlkonzerne Europas zusammenfasste, wurde die Hütte Vulkan in diesen neuen Verbund eingegliedert und seit 1934 administrativ der August Thyssen-Hütte AG zugeordnet, womit sich die konzerninterne Zuordnung der Betriebsabteilung änderte, ohne dass der Standortcharakter als Hochofen- und Gießereibetrieb grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Die Eigentums- und Konzernwechsel dokumentieren die zunehmende strategische Bedeutung, die der rationalisierten Steuerung von Erz-, Kohle- und Roheisenströmen im Rahmen großräumiger Unternehmenskonglomerate zukam. Die Jahre des Zweiten Weltkriegs leitete für die Hütte eine Phase massiver Belastungen ein. Wie andere Hüttenwerke der Region wurde auch die Eisenhütte Vulkan in die kriegswirtschaftliche Produktion eingebunden, hatte den Ausfall eingezogener Arbeiter durch den Einsatz von Frauen und Zwangsarbeitern aus den besetzten Ländern zu kompensieren und war immer wieder Ziel alliierter Luftangriffe, die die Anlagen beschädigten und den laufenden Betrieb zunehmend erschwerten. 1945 kam es zur Einstellung des Hüttenbetriebes; die Kombination aus zerstörter Infrastruktur, veränderter politischer Ordnung und alliierter Demontationspolitik ließ eine Wiederaufnahme der Roheisenproduktion am alten Standort nicht mehr zu. In den Jahren 1948/49 wurden die Hochofenanlagen demontiert, womit der Hochfeld-Standort seine Funktion als Roheisenproduzent endgültig verlor und in den wirtschaftlichen Verwertungsprozess der Nachkriegszeit eingegliedert wurde. Der anschließende Verkauf des Betriebsgeländes an die Duisburger Kupferhütte markiert den Schlusspunkt der Entwicklung: Aus der ehemaligen Vulkan Actien-Gesellschaft und ihrer Eisenhütte Vulkan war ein industriell vorgeprägtes Areal geworden, das nunmehr anderen metallurgischen Nutzungen diente. In ihrer Gesamtschau erscheint die Geschichte der Vulkan Actien-Gesellschaft für Hüttenbetrieb und Bergbau als exemplarische Fallstudie für die Transformation einer frühindustriellen Hochofengesellschaft in ein integriertes Element der großindustriellen Montanwirtschaft und schließlich in eine reine Betriebsabteilung wechselnder Konzerne. Die wiederholten Phasen der Stilllegung und des Konkurses, die Umgründung von der bergrechtlichen Gewerkschaft zur Aktiengesellschaft, die Fusion mit dem Schalker Gruben- und Hütten-Verein, die Einordnung unter das Dach der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, der Vereinigten Stahlwerke AG und schließlich der August Thyssen-Hütte AG illustrieren jene strukturellen Verschiebungen, die das Ruhrgebiet im 19. und 20. Jahrhundert von einem Gefüge lokaler Hütten- und Grubenbetriebe zu einem hochkonzentrierten Montankomplex werden ließen. Zugleich verweist das Ende des Werkes – die kriegsbedingte Betriebseinstellung, die Demontage der Hochöfen und die Veräußerung des Areals – auf die Brüchigkeit industrieller Standorte, deren Existenz immer an die langfristige Behauptung am Rohstoff-, Energie- und Absatzmarkt, an die politischen Rahmenbedingungen und an die Fähigkeit zur Integration in größere Unternehmenseinheiten gebunden blieb. Historisch betrachtet verkörpert die Vulkan AG das Musterbeispiel eines Montanunternehmens, das den Übergang von der handwerklichen Eisenverhüttung zur integrierten Schwerindustrie erfolgreich vollzog, bevor es in den monopolistischen Strukturen der Zwischenkriegszeit aufging. Heute erinnern vor allem industrielle Brachen und die städtebauliche Entwicklung Duisburgs an die einstige Bedeutung dieser „Vulkan-Hütte“, die maßgeblich zum Ruf Duisburgs als „Stadt der Montanindustrie“ beitrug.

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